Share |

Freitag, 29. Oktober 2010

Kokayi - Robots And Dinosaurs

Kokayi ist ein Begriff der ostafrikanischen Sprache Swahili (Suaheli) und bedeutet "to summon the people" (Menschen zusammenführen). Diesen Begriff hat ein MC und Musiker aus Washington DC, der mit "Robots And Dinosaurs" eben seine zweite Solo-LP releast hat, als sein Alias auserkoren. Der Mann aus der Hauptstadt des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten (fast schon zynisch dieses Synonym für die Staaten, nicht?) geht musikalisch seine ureigenen Wege, die irgendwo zwischen Rap, Electro, Soul, Hyphy und Pop verlaufen. Wollte man Kokayis Sounds Koordinaten zuordnen, wären Acts wie Blackalicious, Pharrell und Cee-Lo wohl passende Zutaten für ein musikalisches Potpourri, das dem Musiker und seinem Schaffen gerecht würde. "Robots And Dinosaurs" ist ein sehr abwechslungsreiches Album, mal verträumt melancholisch, dann wieder umgestüm, dort für die Dancefloors und da für Nächte im verrauchten Club auf einem Barhocker. Die Lyrics auf der LP könnten persönlicher und ehrlicher nicht sein. Kokayi erzählt von seinen Ängsten, seiner Hoffnung und seinem Umfeld. Marcus Moore vergleicht "Robots And Dinosaurs" in seiner Review mit Nas' "Illmatic" ("Robots is Kokayi’s Illmatic— a masterpiece that will surely be regarded as the artist’s crown jewel, no matter what he records afterward"), obschon die beiden Alben, was die Musik betrifft, grundverschieden sind. Wie damals Nas macht Kokayi keine Kompromisse zugunsten von Hypes oder Zahlen. Ja, Moore trifft mit seinem Vergleich den Nagel auf den Kopf, so sehe ich das zumindest. Die Frage, ob "Robots And Dinosaurs" wie damals "Illmatic" die ganze Szene hinter sich wissen wird, ist wohl nur schon wegen der Entwicklung des Genres mit einem "Nein" zu beantworten (ich lassen mich nur zu gerne eines Besseren belehren). Zwischen 1994 und 2010 liegen in vielerlei Hinsicht Welten. Bleibt zu hoffen, dass "Robots And Dinodaurs" nicht zwischen Stuhl und Bank fällt und unbeachtet bleibt in einer Zeit, in der es sich nicht lohnt, inne zu halten, sei es auch nur für einen Augenblick. Um den Zugang zu "Robots And Dinosaurs" zu finden, muss man sich mindestens diesen Augenblick gönnen.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Beatowski Beats – Beat Tape Vol.1


Beatowski ist ein ausserordentlich talentierter Beatbastler aus Jēkabpils/Lettland. Mitte September hat er das "Beat Tape Vol.1" zum Download frei gegeben. Auf dem digitalen Beattape finden sich 31 freshe Beats in der Tradition der Szeneüberväter Pete Rock und Premo, will heissen: MPC1000 und Vinyl, chop the sample, lace some drums, und fertisch isch der phädde Beat. Effekte? Keine. Na ja, ein wenig EQing, Limiter, Kompressor und wenn's hoch kommt mal ein Filter darf's sein. Beatowskis 31 Babies gehen straight ins Genick und dürften MCs das Wasser im Munde zusammen laufen lassen.

Download-Links auf hotfile.com und ifolder.ru





Dienstag, 26. Oktober 2010

Full Crate X FS Green - Hi-Hat Club Vol. 5: Eggs And Pancakes

Am vergangenen Freitag ist MPMs Hi-Hat Club in Kurve fünf eingebogen. Auf der Gegengerade zu den Streckenpassagen eins bis vier macht nun ein Tagteam aus der Stadt der Grachten, des Kopfsteinpflasters und der Coffeeshops Dampf. Dabei betritt der Club mit seinem fünften Release neues Terrain, brummen doch auf "Eggs And Pancakes" untenrum dicke Synth-Bässe und in den höheren Regionen der Klangspektren ziehen sphärische Melodien ihre weiten Kreise. Bis hierhin war der Hi-Hat Clubber ja eine Art Kreuzritter des Loops, als dessen Schwert der Sequenzer bezeichnet werden kann. Amsterdam's Finest Full Crate und FS Green lassen nun auch den Synthesizer ins Geschehen eingreifen. Ja, "Eggs And Pancakes" klingt auf seine Vorgänger bezogen quasi antithetisch. Dies obschon die Grundlage der Beats in vielen Fällen ganz oldfashioned ein Sample ist. Sounds an der Schnittstelle von Kraftwerk, Pete Rock, Dilla und Dâm Funk, meist mehr West als Ost, um die Küstendefinition zu bemühen, sind die Konsequenz des Schaffens von Full Crate und FS Green. Neben den elektronischen Klängen ist ein mindestens ebenso wesentlicher Unterschied zu Hodn, Twit, Deezy, Dex, Brenk und Fid Mella das Fakt, dass die Spielzeit eines Tracks der Heads aus der Stadt an der Amstel im Schnitt mindestens doppelt so lang ist wie auf den anderen Club-Releases. "Eggs And Pancakes" bringt die frühen 80er zurück in die Gegenwart, vertont die Morgendämmerung nach einer durchzechten Nacht ebenso wie vom Albumcover impliziert den Morgen danach bei Pfannkuchen und schwarzem Kaffee. "Eggs And Pancakes" ist weder besser noch weniger gut als seine Vorgänger, sondern anders. Mag sein, dass sich einige Jünger des Clubs von eben diesem abwenden und andere, die sich den Diggern von Köln bis Wien verweigert haben, nun den Zugang finden. Sicher scheint mir, dass viele, die die Teile eins bis vier im Regal stehen haben, auch auf Teil fünf abgehn. Denn im Falle des Club wird nicht gefragt, ob wohl das Ei oder eben doch das Huhn zuerst da war. Im Falle des Clubs heisst es schlicht und ergreifend: First there was the beat!

"Hi-Hat Club Vol. 5: Eggs And Pancakes" ist am 22.10. auf Melting Pot Music erschienen. Für das Artwork war einmal mehr Robert Winter besorgt.

Rapohnelizenz - The Beat Tape Vol​.​1

Ist zwar schon ne Weile hin, aber weil's knockt, soll "The Beat Tape Vol​.​1" seine Zeilen abbekommen. Nun, Rapohnelizenz ist eine anonyme Netzdiggercrew aus unserem nördlichen Nachbarland (nehm ich an), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Spreu (crap) vom Weizen zu trennen. Als die Jungs (keine Ahnung ob auch Mädels) genügend Weizen aufm Speicher zusammen getragen hatten, wollten sie ihre Kornkammer der Netzwelt präsentieren und fragten die Producer, deren Beats sie für Weizen befanden, kurzerhand an, ob sie einen exklusiven Beat für ein digitales Beat-Tape bekommen könnten. Dies ist die Entstehungsgeschichte von "The Beat Tape Vol​.​1". Seit Anfang August steht dieses digitale Beat-Tape aufm Server und kann gratis auf den hauseigenen Rechner gezogen werden. Auf "The Beat Tape Vol​.​1" sind neben gänzlich unbekannten Bastlern auch geläufigere Namen wie Dibiase, Elaquent, Suff Daddy und Bugseed vertreten. Anhören kann man sich die Beats auf rapohnelizenz.bandcamp.com und den Downloadlink gibt's genau >>>HIER<<<. Prost!

Montag, 25. Oktober 2010

O-Flow - Aus Dem Naehkaestchen

Vor nem Jahr releaste O-Flow die EP "Aus Dem Naehkaestchen". Unterstütztung am Beat bekam der Rapper aus Köln von Noy und Hulk Hodn. Die Auflage der EP war auf 100 Stück limitiert und ist heute natürlich vergriffen. Vorenthalten will O-Flow die Tracks aber niemandem. Deshalb kann man sich das Teil seit zwei Wochen gratis auf'n Rechner ziehn. Go get it... http://www.noyland.de/v1/?p=228

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Dexter & Maniac heute Abend @ Kaufleuten, Zürich


Heute Abend werden Dexter & Maniac als Support-Act vom Blumentopf das Kaufleuten in Zürich rocken. Die beiden haben unlängst den Longplayer "Raw Shit" (HIER zur Review) releast. Weil viele Heads auch nach Vinyl fragten, releaste Wortsport nun die 5 Tracks starke Vinyl-EP "Raw Shit - We love Vinyl Edition" in limitierter Auflage. Veranstalter des heutigen Gigs ist der Abart Club. Die Türöffnung ist bereits um 18:30 Uhr. So hurry up folks!

Tinguely Dä Chnächt - Bar

Vor zehn Jahren wurden dem Chnächt seine Wortspiele zum ersten Mal auf einem offiziellen Release verewigt (SLM52-EP "Satz für Satz bis zum Grändsläng"). 2004 droppte der Wortspieler aus Zürich sein Solodebüt "Mis Bier". Zwei Jahre darauf folgte noch ein weiteres Album zusammen mit Dior und Showdown. Ab Ende Oktober wird nun endlich der "Mis Bier"-Nachfolger "Bar" über die Theke gehen, sei es die digitale oder die an der Ankerstrasse. Nun, der Albumtitel "Bar" passt ja wunderbar zu Tinguely dä Chnächt, dem Mann am Schanktisch, der sein Bier trinkt, mal alleine, mal mit Freunden, in einer rauchigen Kneipe in irgend einem Chreis in Zürich, in einem Spunten, in dem man nicht mit Karte, sondern bar zahlt. Hoppla, schon hat sich eine Zweitbedeutung des Albumtitels offenbart. "Bar" zahlen, dirket auf die Kralle, quasi dirket, oder, um den Faden ein wenig weiter zu spinnen, ungeschminkt, nackt, wie Gott ihn schuf, rein. Ehrlichkeit ist ein grosser Faktor, geht es um Tinguelys Raps. Dä Chnächt rappt sich von der Seele, was ihn beschäftigt. Mal mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen, mal mit leerem, dann mit ernstem Blick, da mit einem Schuss Ironie, dort sarkastisch, in vielen Fällen zynisch, der Gesellschaft und schon im nächsten Augenblick sich selbst gegenüber. Kein Zweifel, Tinguely zahlt bar, und zwar in Einheiten, in Bars, die Währung ist Rap ("Ich schriib jede Tag mini Ziilä, mängisch luegt däbii nur en Satz use aber de bringt's uf dä Punkt" im Titeltrack "Bar"). Wer Tinguely kennt, weiss, dass man sich Zeit nehmen sollte, um dem Mann am Mic zuzuhören. Zu viel passiert zwischen den Zeilen und zu verschachtelt sind gewisse Reime und Inhalte. Und dass dä Chnächt nicht die sauberste Intonation im Game pflegt, ist auch nur ein offenes Geheimnis ("Mängisch reim ich undütlich nume-zu-dim-Schutz-Musig" im Track "Räpmusig"). Dies alles sind Gründe, weshalb "Bar" - wenn überhaupt - nicht allzu schnell totgespielt werden kann. Zu vieles gibt es immer wieder zu entdecken. Was für die Raps gilt, gilt auch für die Beats. Hatte Tinguely auf "Mis Bier" noch mehrere Beatbastler um sich geschart, zeichnet sich auf "Bar" einzig und allein Reezm für die musikalische Untermalung der Raps verantwortlich. Der Mann am Beat nimmt die Zuhörer in vielerlei Hinsicht mit auf eine Entdeckungsreise. Man fühlt sich an "Illmatic" ("Z'vill Ziit", "Mini Homeboys" und "Games") an Barrows "Numb" ("Niä dänkt" und "Bar") und an Schooly D und Run-D.M.C. ("Peace, Love, Unity And Having Fun" und "Yo!Tinguely Raps/1520 Sedgwick Ave.") erinnert. Zumindest mir geht es so. Klar, solche Vergleiche können einen bitteren Beigeschmack haben, aber an dieser Stelle sei gesagt, dass es Reezm gelungen ist, "Bar" ein Sound-Gewand zu verpassen, das keine Vergleiche zu scheuen hat. Ausserdem ist 'Erinnerungen wecken' nicht mit 'kopieren' zu vergleichen. Jeder Track auf dem Longplayer ist sein eigener kleiner Kosmos. So ist es nicht zuletzt auch Reezm zu verdanken, dass die Tracks "Und jetzt/Ich chönnt" und "Letschti Rundi" meine persönlichen Highlights auf "Bar" sind. Ja, Tinguely dä Chnächt und Reezm liefern mit "Bar" zweifelsohne ein Highlight des hiesigen Musikschaffens ab. Ob "Bar" über Szenegrenzen hinaus Beachtung finden wird, ist allerdings zu bezweifeln, hat dä Chnächt doch auf alle Erwartungen ausser seine eigenen nichts als ein F**k gegeben ("Erwart vo mir kei Sound wo d'Lüüt im Büro mitsinged, kei Lift-Musig zum mitsumme, kei Morgeshow-Hits, Chinde... verschtönd min Shit nöd" im Track "Bar").

Tinguely dä Chnächt hat auf "Bar" Unterstützung von Reezm (Beats), Claudia Blum (Gitarre und Bass), Leone (Piano), DJ Showdown (Cuts), Crazeboo (Aufnahmen, Mix und Mastering), Baze (Raps), Göldin (Raps), Phantwo (Raps), Bis Zis (Raps), Skor (Raps) und Radio 200000 (Raps) bekommen. "Bar" erscheint am 29. Oktober auf Bakara Music.

Montag, 18. Oktober 2010

Olivier Daysoul - Mr. Saint Louis EP

Olivier Daysoul hat seine Sangeskünste jüngst auf Trek Lifes LP "Everthing Changed Nothing" präsentiert, um nun seine EP "Mr. Saint Louis" zu veröffentlichen. Unterstützung am Beat hat der Musiker aus Washington DC von Tausendsassa Oddisee bekommen. Oddisee stellt dabei einmal mehr eindrücklich unter Beweis, welch breites Spektrum er mit seinen Produktionen abzudecken im Stande ist. "Mr. Saint Louis" ist moderner Funk, dessen Cherry On Top Oliviers zuckersüsse Vocals sind. Die EP von Mr. Daysoul kann auf Oddisees Bandcamp-Account gratis auf den Rechner gezogen werden. Aber Achtung! Laut dem Beschrieb auf dem Olivier seinem Space kommen nur die ersten 1000 gänzlich kostenlos an die EP ran. Ist die 1000er-Schallgrenze erreicht, muss man wohl was abdrücken, um an "Mr. Saint Louis" ran zu kommen. Wichtig für alle Beatheads und Remixer ist folgender Hinweis: Auf der digitalen EP sind nicht bloss fünf Tracks (inkl. einem Remix) zu finden, sondern auch deren Instrumentals und Acapellas. In diesem Sinne: Haut rein Jungs!

R.I.P. Michael "Eyedea" Larsen


Tinguely dä Chnächt - Bar-Trailer by Oiler

Sonntag, 17. Oktober 2010

"BEATS, RHYMES & LIFE" heute ab 18 Uhr live aufm Sender

Ruedi und dessen Cou-Cousin und Bruder im Geiste Kurt gehen heute Abend ab 18 Uhr live on air. Kurt hat sein Case mit Classics und persönlichen Favs vollgepackt und wird die Tafel mit diesen seinen Scheiben belegen und Ruedi wird die Wohnzimmer-Crowd mit News versorgen. Besonderes Augen... ährm... Ohrenmerk gilt natürlich dem neusten Streich von Baze, aber auch FS Green & Full Crate (Hi-Hat Club Vol. 5), Aclair Ensemble, Boog Brown & Apollo Brown, Hell Razah, ESQ & Chikaramanga und Late Bloomers werden von Ruedi gespielt. In diesem Sinne... lasset die Spiele beginnen, und zwar ab 18 Uhr auf Radio RaSA auf 107.2FM oder, wenn nicht in dessen Dunstkreis, per Webstream. "BEATS, RHYMES & LIFE" jeden zweiten Sonntagabend für Dich und Deinen Nachbarn.

Playlist
Baze - Dr Party Isch Vrbi
FS Green - Pick A Star
Remerooouun - Baze
Die Beleidiger - Boom
Slum Village - Fall In Love
J-Live - Poetry In Motion
Camp Lo - B-Side To Hollywood
Hieroglyphics - Make Your Move feat. Goapele
Baze - Himmutruurig
Baze - Schnide Mer D'Haar
Full Crate - Crack
Alclair Ensemble - Piles Comprises
Aloe Blacc - I Need A Dollar
Jurassic 5 - The Influence
Intelligent Hoodlum - Game Type
Kool G Rap - 4, 5, 6
ESQ & Chikaramange - Mad Love
Full Crate & FS Green - To The Floor
Boog Brown & Apollo Brown - Shine
Baze - La Wartä
A Tribe Called Quest - The Love
Pete Rock - To My Advantage feat. Nature
Illa J - DFTF
Ghostface Killah - Clipse Of Doom feat. Trife
Hell Razah - Negro Angelitos
Late Bloomers - High.Dro.Space feat. Real Reid
FS Green & Full Crate - Eggs & Pancakes
Baze - Trinkgäud
TAFS - Durchzug
Alcair Ensemble - Cauchemars
FS Green - Awesome
Baze - Huärä U Lämmer

Freitag, 15. Oktober 2010

Ta-ku - Dilla

Ta-ku ist ein junger Producer aus Perth/Australia. Seine ganze Leidenschaft gilt den Beats. Wie für viele Cats da draussen ist Dilla das grosse Vorbild, seine Inspiration. So fällt er denn auch mit seinem Sequenzer über (wohl teils staubige, meist soulige) Tracks her, cutet, flipt und loopt anschliessend. Nun hat Ta-ku Dilla ein 27 Tracks starkes Beat-Tape gewidmet, das er jedermann frei zur Verfügung stellt. Die Beats sind gewiss nicht schlecht, manchmal in ähnlichen Strickmustern aber schon allzu oft gehört. Die eine oder andere Perle versteckt sich auf "Dilla" dennoch. Downloaden kann man das Teil auf seinem Bandcamp-Account.

Black Milk - Album Of The Year

Ja, Curtis Cross aka Black Milk fährt dicke Geschütze auf. Sein neues Album hat er schlicht "Album Of The Year" betitelt. Weshalb er seinem bis dato fünften Studioalbum diesen nicht eben bescheidenen Titel gegeben hat, erklärt Black Milk im Opening Track "365". So geschehen während eines Jahres für gewöhnlich viele Dinge, die Welten ins Wanken bringen können. Der MC und Producer aus Detroit hatte neben den lebensüblichen Ups und Downs und den Schwierigkeiten und Vorurteilen, mit denen sich der nicht selbst ernannte Dilla-Nachfolger herum zu schlagen hat, auch den Tod seines Freundes Baatin (Slum Village) zu verkraften und die gesundheitlichen Probleme seines Managers Hex Murda zu verdauen. Man mag den Albumtitel deuten wie man will, Qualität wird man dem Longplayer auf jeden Fall nicht absprechen können. Weiter ist Fakt, dass man Black Milk für gewöhnlich nicht mag, nein, entweder man liebt seine Styles oder man befindet sie für ausgelutscht. Wer schon mit seinen zwei letzten LPs "Popular Demand" und "Tronic" nichts anzufangen wusste, wird sich wohl auch mit "Album Of The Year" schwer tun. Jene, die den Mann aus Motor City prinzipell nicht mögen, sollten aber für einmal über ihren Schatten springen und dem Longplayer eine Chance geben. Denn mit "Album Of The Year" beschreitet der Mann aus Detroit in der Tat den anderen Weg. Die LP klingt weder wie seine Vorgänger noch wie der ganze Rest der Szene. Was die Beats anbelangt, so hat Black Milk auf seinem MPC die Grundstrukturen gelegt, bevor er sich mit Daru Jones (Drums) und AB (Keys, Vocals) zusammen getan und an den Tracks gefeilt hat. Resultat sind 12 dicke Tracks, soulful wie die Schwarzen 60er der Charles' und Browns und wie sie alle hiessen, angereichert mit Synthesizern für William Shatner und Bambaataa und wohlig warmen Bläsersätzen. Und die Drumssets sind inspiert vom dreckigen Rock der 70er und den Meters. Die Raps sind in erster Linie Battle und portionsweise mit Inhalten versehen. Der Track zu Ehren des weiblichen Geschlechts fehlt natürlich auch nicht. Black Milks Flows sind nicht nur grundsolide, sondern lassen gar gestandene Mitstreiter wie Elzhi und Royce Da 5'9" eher blass aussehen. Mit "The Album Of Year" ist es Black Milk gelungen, seine Nische auszubauen und sich mehr als nur einen Schritt aus dem Schatten von Detroits Übervater J Dilla zu bewegen. So ist es durchaus möglich, dass man, wenn man schon bald auf 2010 zurück blickt, dem Albumtitel nicht bloss die Zweitbedeutung zuspricht.



<a href="http://blackmilk.bandcamp.com/album/album-of-the-year">Album of the Year by Black Milk</a>

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Baze - D'Party isch vrbi

Er ist sowas wie Blues Max für den einheimischen Rap. Baze und hat seit Anbeginn seiner Karriere am Mic nie in gängige klischeebehaftete Schemata der Rap-Szene gepasst. Seit 2001 releast er fleissig Songs, zuerst mit Thomes, dann solo, zwischendurch als Teil von Chlyklass und Boys On Pills, und nun wieder solo. Als erster Schweizer Rapper hat er Unplugged-Gigs gespielt. Sieht man vom daraus resultierenden Unplugged-Album ab, hat Broccoli G. mit dem Release von "D'Party isch vrbi" nun sein drittes Solo-Album in die Ladenregale gestellt. Ja, das Teil ist definitiv ein Rap-Album, auch wenn das einzige Feature von Endo Anaconda bestritten wird und die Beats von Liveinstrumentierung und R'n'B (echter Rhythm and Blues, nicht der Etikettenschwindel der vergangenen zwei Dekaden) leben. Wie eh und je hält sich Baze, obschon er manchmal in der 3. Person Singular erzählt oder aufs lyrischen Ich zurückgreift, lieber selbst den Spiegel vor, als sich in plumper ausgelutschter Gesellschaftskritik zu üben. Und wer Baze zuhört, wird sich in den Texten eh wieder finden. Das ist die Konsequenz der Ehrlichkeit und Unverblümtheit, die Baze in seine Raps gepackt hat und schlussendlich eben doch wieder Rückschlüsse auf gesellschaftliche Belange erlaubt. Aber der müssige Zeigefinger bleibt so aussen vor. Baze gibt sich auf "D'Party isch vrbi" ganz den Widersprüchen des Lebens in der Gesellschaft 2.0 hin. Twitter und Facebook auf iPhone und BlackBerry, Freiheit als Trugbild, Katerstimmung. Der MC aus der Bundeshauptstadt beschreibt das Dilemma zwischen Individuum und Gesellschaft, wankt hin und her zwischen Punk und Konservativem. Der Track "Schnide mer d'Haar" beschreibt den Grundtenor von Basils Gedankengängen auf seinem Zweitling treffend: "Im TV louft nume Müll und I ziähn mer ne no ine, unwichtigi Problem vo undergwichtige Blondine [...] I wär ou gärn nöime anders, nume nöd hiä [...] wött eigentlech churz go Ziggis hole, niämeh uftouche [..] do bliib I denn gliich liäber däheim [...] niäne hani so guäti Lüüt um mich wiä hie [...] wesmi de tüächt dass I gnue lang gjammeret hei, denn schid I d'Haar rasiäre dä Bart, suächä richtigi Arbeit, schaff vo 8 bis 5, nimm ä Hypothek uf". Auf "D'Party isch vrbi" ist aber nicht alles zappenduster, dann und wann sieht man Baze mit seinem verschmitzen Lächeln und augenzwinkernd förmlich vor sich. Nicht alles ist purer Sarkasmus. Auch Ironie schwingt in den Texten mit. Die musikalische Untermalung der Raps geht auf die Kappe der Herren Benfay und Marton di Katz. Schräge Synthesizer gehen auf dem Longplayer Hand in Hand mit Delay belegten Klängen einer akustischen Gitarre, verträumte Pianoakkorde treffen auf heulende Bläser und Steele Gitarre und Mundharmonika reiben sich am dreckigen Synthbass auf. "D'Party isch vrbi" ist Rap, Blues, Wild West, Jazz, Fasnacht, Electro und Funk, ist Resignation und Revolte zugleich und ein Hightlight nicht nur des laufenden Jahres, sondern vom gesamten CH-Rap-Fundus. Und wenn dann doch mal wieder alles zuviel wird, dann nimmt Baze eben ein "Remerooouun".

The Rub - History of Hip-Hop - 1979 bis 1989





















The Rub - History of Hip-Hop - 1990 bis 1999



















The Rub - History of Hip-Hop - 2000 bis 2009

The Rub ist ein DJ-Dreigestirn aus den Staaten, konkret: DJ Ayres, DJ Eleven und Cosmo Baker. Am gemeinsamen Blog gibt's neben Remixes und Re-Edits, digitalen Mixtapes und Rub Radio auch eine History of Hip-Hop. Für Brooklyn Radio haben die DJs für jedes Jahr ab 1979 die essentiellen Releases zusammengetragen und diese Mixtapes zum kostenlosen Download auf den Server gestellt. Nach Abschluss des bis dato letzten Mixes für das vergangene Jahr wurden Ayres, 11 und Mr. Baker von Brooklyn Radio zur Mixtape-Serie und zu Hip Hop und Rap allgmein interviewt. Wer sich dafür interessiert, klicke HIER. Ein kleiner Auszug aus dem Interview als Appetizer (Em-Junkies aufgepasst!): Auf die Frage, ob sie (die DJs) denken, dass Eminems LPs noch in 20 Jahren gehört werden, gab Ayres zu Protokoll, er hoffe, dass das nicht der Fall sein werde, er möge zwar seine alten Dinger, fände aber "he just went to shit so fast. It's amazing that anyone takes him seriously."


















Dienstag, 12. Oktober 2010

Full Crate X FS Green - Eggs And Pancakes - am 22. Okt. aufm Teller

Bald hat das Warten ein Ende. Der Hi-Hat Club geht in die nächste Runde. An Sequenzern, Synths und Reglern tobten sich zwei of Netherland's finest aus: Full Crate und FS Green. Einen kleinen Vorgeschmack geben die beiden in Form je eines Tracks. FS Green dropt "Monoshow" und Full Crate "Never Never". "Hi-Hat Club Vol. 5: Eggs And Pancakes" erscheint am 22. Oktober auf Melting Pot Music.


<a href="http://hi-hatclub.bandcamp.com/album/hi-hat-club-vol-5-eggs-and-pancakes">Hi-Hat Club Vol. 5 &#8211; Eggs And Pancakes by Hi-Hat Club</a>


Poe Picasso - Exhibit B: Manifest Destiny

Bin heute beim Surfen über folgendes Video gestolpert...


Poe Picassos Track "Inspiration" ist von dessen zweitem Gratis-Album "Exhibit B: Manifest Destiny". Nun, das Album ist schon vor beinahe einem Jahr releast worden und auch das Video zu "Inspiration" ist nicht brandneu. Da Picasso aber dank echt fresher Beats (bis auf eine Ausnahme von The Architect und JonnyGo Figure prodiziert) und Raps zu bestechen vermag und sein Herzblut in Form von Tracks jedermann frei zugänglich macht, hat der junge MC aus Brooklyn jede Form von Aufmerksamkeit redlich verdient. Gewiss, "Exhibit B: Manifest Destiny" bietet beleibe nicht neues, was das als Mixtape betitelte Album aber bietet, sind 75 Minuten Musik, irgendwo zwischen Hova (Flows, Lyrics) und DOOM (z.B. Beat zu "Bask In My Glory"). Neben gutem Durchschnitt hat "Exhibit B: Manifest Destiny" doch das eine oder andere Highlight in petto (z.B. "Bask In My Glory", "Diane", "40 Days, 40 Nghts" oder "Inspiration").

Eric Lau - Makin' Sound

Was Dâm Funk für den neuen Funk ist, ist Eric Lau für den neuen Soul. Das hat der Producer von der Insel schon 2008 "New Territories" bewiesen. Baute Lau damals noch auch Vocals von Sarina Leha, Rahel und Meshach Brown, verzichtet er auf seinem zweiten Album gänzlich auf Stimmen. Die ganze Aufmerksamkeit gehört dem Beat. "Makin' Sound" ist Hörgenuss auf höchstem Niveau, aufgeteilt in 20 instrumentale Episoden, eine in sich stimmiger als die nächste. Der Beat ist Hip Hop, der Track ist Soul. Meistens geht die Magie von einem wunderbar in Szene gesetzten Loop aus, der von einem warmen Basslauf getragen und schnörkellosem Drumset nach vorn gepusht wird. Man nickt mit, ohne es zu bemerken. Die Beats dringen durchs Unterbewusstsein ein und entfalten eine beinahe hyptnotische Wirkung. Sphärische Synthesizer runden die Szenerie ab. Ein Track wie "Militant" sticht insofern aus dem grossen Ganzen heraus, als dass die Drums für einmal hinken und so den natürlichen Flow ins Stocken bringen und deshalb das Salz und nicht das Haar in der Suppe sind. Wer auf Beats von Suff Daddy, Budamunky und Dilla steht, wird auch "Makin' Sound" von Eric Lau lieben.

Montag, 11. Oktober 2010

Alaclair Ensemble - 4,99

Maybe Watson, KenLo, Mash und Eman sind Alaclair Ensemble. Das Kollektiv aus Montreal (Québec, Kanada) hat bereits Ende Juni das 16 Tracks starke Album "4,99" auf ihrer Bandcamp-Page zum Download frei gegeben. KenLo ist der Freak für die Beats (wobei dann und wann auch mal der einen oder andere Kumpane ran darf), der ganze Rest der Sippe gibt sich den Raps hin (wobei auch KenLo ab und an zum Mic greift). Zum Kern des Kollektivs gesellen sich ein paar mehr oder weniger lose Verbündete, was dem Unternehmen Alaclair Ensemble einen wu-liken Touch beschert. Die Sounds gehen aber - obwohl mindestens so dreckig - in eine ganz andere Richtung. Das Rudel aus Montreal zelebriert den Clash der Kulturen, sind vorgestern, gestern, heute, morgen und übermorgen nacheinandern und manchmal auch alles auf einmal und deswegen ein Segen für französichen Rap. "4,99" ist dank Eigengeist, fehlender Kompromissbereitschaft und a whole lotta Funk ein Highlight des laufenden Jahres. Bitte mehr davon!





A3C Mixtape Pt. 2 (Free Download)

Am vergangenen Wochenende ging das A3C Hip Hop Festival zum 6. Mal über die Bühne. Im Vorfeld dieses Festivals haben die Veranstalter zwei Mixtapes, die Artist featuren, die an jenem Anlass spiel(t)en, zum Gratisdownload online gestellt. Das erste der beiden Mixtapes ist (momentan) nicht mehr verfügbar, das zweite schon. Auf dem Tape finden sich u.a. Tracks von Murs, J-Live, Lyrics Born, The Cool Kids, Rapper Big Pooh & Roc C, Nappy Roots, Rhymefest, Tanya Morgan und Hezekiah.

Download A3C Mixtape Pt. 2

Wie lange das digitale Mixtape noch zum Download bereit steht, ist offen.

Late Bloomers - Songs For Suns


Die Late Bloomers sind drei Typen aus LA, einer fürs Mic, zwei für die Beats. Die Jungs werden im November ihre 6 Tracks starke Debüt EP "Three Shades Brown" droppen. Weil Ahh:Zel und ReallyNat bis anhin aber logischerweise weit mehr als nur 6 Beats gebastelt haben, hat sich das Duo am Beat dafür entschieden, ein Paket à 26 Beats zu schnüren und zum freien Download ins weltweite Web zu stellen. Das Teil heisst "Songs For Suns" und erinnert bisweilen an die Musikuniversen von Nerds wie Flying Lotus, Janeiro Jarel oder Dimlite. Dabei laufen die Jungs aber nicht die Gefahr, als blosse Kopie der Originale abgetan zu werden, da ihre Beats allesamt originelle Originale sind. Die Sounds sind weitläufig und raumgreifend, das Delay ein gerne gebrauchtes Stilmittel. "Song For Suns" ist innere Ruhe, ohne in die Sphären der Langweile abzudriften und macht Lust auf mehr. Das Warten auf die Debüt-EP kann beginnen.

Download "Songs For Suns"

Songs For Suns A/V Snippets

Dig In The Crate