Freitag, 31. August 2012

Max Herre - Hallo Welt

Die Gemeinde atmet auf. Yep, der verlorene Sohn ist zurück. Endlich. Geschlagene acht Jahre hat er nichts von sich hören lassen, sieht man von den zwei Tracks und der Tour im Zuge des runden Geburtstags vom Freundeskreis und vom Soloalbum von vor drei Jahren, was ja nun wirklich nicht hätte sein müssen, mal ab. So sieht das wohl ein Grossteil der Gemeinde. Ich getrau mich ja schon fast nicht zu sagen, dass mir "Ein Geschenkter Tag" gefällt. Nun denn, sei's drum. Max Herre ist also zurück. Und wer zurück ist, der sagt hallo. Der Musiker aus Stuttgart, der schon eine ganze Weile in Berlin lebt, sagt aber nicht bloss hallo, nein, er sagt "Hallo, Welt!". Schliesslich hat er was zu sagen. Natürlich lässt er sich selbst und sein Umfeld nicht aussen vor. Aber die Welt ist eben gross, der Horizont weit und die Zeiten bewegt. Max war schon immer Lebemensch und Moralphilosoph, ohne sich in Klatschspalten wieder zu finden oder den Zeigefinger zu bemühen. Das zeichnet Max' Schaffen aus. Die Mischung stimmt. Das gilt auch für die Beats, die Produkte der Arbeit mit Konsolen und Instrumenten vom Produzenten-Team KAHEDI (Samon KAwamura, Max HErre und Roberto DI Gioia) sind. Nein, den Soul hat Max nicht zurück ins Spiel gebracht. Wer dies behauptete, täte Heads wie Dexter, Morlockk Dilemma oder Twit One unrecht. Mit "Hallo, Welt!" bringt Max das Feeling der zweiten Hälfte der 90er zurück ins Spiel, ohne dabei auch nur ansatzweise altbacken zu klingen oder Freundeskreis neu aufzulegen. Zugegeben, jeden einzelnen der 17 Tracks hätte ich nicht gebraucht. Neben Lenny Kravitz und Billy Preston sieht der Stuttgarter Jung nicht in erster Linie wegen der Hautfarbe dann doch gar blass aus. Und die Radiosingle steht so gar nicht für das, was "Hallo, Welt!" eigentlich ist. Aber erstens sind solche Fehltritte ja sowieso immer subjektives Empfinden und zweitens ist fase der ganze Rest der Scheibe so verdammtnochma fresh, wenn Max vom Jahr der Wahrheit erzählt ("1992") und zusammen mit Megaloh erklärt, was "Rap ist", wenn er mit "DuDuDu" meine, deine und nicht zuletzt seine eigene Beziehungskiste aufräumt, wenn er mit Samy Deluxe zum Aufstehen und Queerschlagen aufruft ("Einstürzen Neubauen"), wenn er mit Unterstützung von Marteria den "Kahedi Dub" zelebriert, wenn er von der neckisch lächelnden kleinen Cameriera beim Lieblings-Italiener "Abserviert" wird oder "Yvonne" inständig darum bittet, ihm sein Herz zurück zu geben, dass solche Fehltritte sowieso keine Rolle spielen. Und wenn Max hingeht, um mit Tua die Tristesse des Lebens zu erklären ("Solang"), seiner Tochter "Vida" ihr Dasein und das Leben näher zu bringen und mit Unterstützung von Sophie Hunger die Geschichte von Ellie und ihrem Vater, die im Herbst 1938 zwischen Berlin-Weissensee und Tel Aviv spielt, zu erzählen ("Berlin - Tel Aviv"), dann wird alles andere zur Nebensache. Nein, mit "Hallo, Welt" hat Max Herre weder den Soul noch Freundeskreis zurückgebracht. Mit "Hallo, Welt" zelebriert Max Herre sein Verständnis von Rap und Musik und schenkt uns ein Album mit Songs, die wir uns nicht nur anhören können, sondern erleben dürfen.

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