Mittwoch, 1. Februar 2012

Marsimoto - Grüner Samt

Mit "Halloziehnation" hat Marten Laciny 2006 einen gewissen Marsimoto, einem deutschen Pendant zu Madlibs Lord Quas, auf die Gemeinde losgelassen. Sechs Jahre danach ist diese halluzinogene Gestalt im Mainstream angekommen, hat Marsi sein drittes Album "Grüner Samt" doch auf Four Music releast. Nun, Mainstream wird in der Gemeinde ja als Schimpfe für Nichtrealness verwendet. Dass aber auch einer, der im Mainstream angekommen ist, sein Ding kompromiss- und konzessionlos durchziehen kann, scheint manch einem jener besagten Realkeeper entgangen zu sein. Man kann sich natürlich auch darüber streiten, was den Mainstream überhaupt bedeutet und wo dessen Grenzen zu ziehen sind. Item. Das soll an dieser Stelle nicht abgehandelt werden. Auf "Grüner Samt" vereinigt Marsimoto zusammen mit seinem Producer-Team Kid Simius, Nobodys Face und Dead Rabbit die Goldene Ära mit Zukunftsmusik, lässt verschiendste Sounds auf seine heliumgeschwängerten Flows treffen und erschafft so Welten, wie sie Szenetreue und Andersartige noch nicht gehört haben. Klar, die gepitchte Stimme ist nicht jedermanns Sache. Dem grünen Samt aber allein wegen der Stimme eine Abfuhr zu erteilen, ist definitiv der falsche Weg. Manch ein Skeptiker, der Marsi eine Chance gibt, könnte von "Grüner Samt" positiv überrascht werden, sowohl was die Sounds als auch was die Inhalte der Platte anbelangt. So ist Marsi zwar ohne Zweifel der kleine, kiffende Szenekobold. Seine Obesession verbildlicht er aber dank dem Track "Ich Tarzan, Du Jane" wie kein zweiter vor ihm. Neben grünenen Hymnen, die nicht den Bärenanteil des Albums ausmachen, ist Marsimoto gesellschaftskritisch wie wohl kein anderer. Zum Beispiel dann, wenn er von seinem Leben als Wal berichtet, die Rolle des Indianders ausleuchtet, von Alice im WLAN Land berichtet, Schreckgespenster und Ängste ausleuchtet oder für Uwe durch das TV-Angebot zappt. Neben der Gesellschaft bekommt dank "Wellness" auch die Szene den Spiegel vorgehalten. Mit "Grüner Samt" hat Marsimoto nicht nur Torchs "Blauer Samt" neu interpretiert, sondern auch einen Meilenstein des deutschen Raps abgeliefert und die Messlatte für 2012 schon im Januar in schwindelerregende Höhen gelegt.




Keine Kommentare:

Dig In The Crate